Unbestätigte Quellen
berichten im Rahmen der Computex von einer möglichen Abkehr des kalifornischen Grafikkarten- und Chipsatzherstellers NVIDIA vom Geschäft mit Chipsätzen für die AMD-Plattform. Die bekannte nForce-Reihe soll demzufolge in Zukunft für AMD-Prozessoren nicht mehr fortgesetzt werden. Fraglich ist allerdings, wie weit diese Spekulationen tatsächlich der Realität entsprechen.
Für diesen Schritt könnte sprechen, dass NVIDIA mit Intel einen entsprechenden
Technologieaustausch betreibt und über Lizenzen geeinigt hat, die es dem Unternehmen erlauben, entsprechende Chipsätze für die aktuelle Prozessor-Generation von Intel zu produzieren. Bedenkt man weiterhin, dass Intel zum Teil auf Chipsätze fremder Hersteller wie SiS zurückgreift, um seinen Bedarf zu decken, dann wäre es durchaus möglich, dass NVIDIA nun an diese Stelle rücken möchte. Zugleich ließe diese Option allerdings auch den Verdacht zu, dass Intel mit NVIDIA Absprachen getroffen hat, die entsprechende Abnahmen garantieren, falls AMD nicht mehr unterstützt wird. Dafür spräche außerdem, dass NVIDIA derzeit an
günstigeren Chipsätzen arbeitet, obgleich durchaus offen ist, wie weit sich die Preise mit den Angeboten aus Taiwan messen lassen.
Gegen die Gerüchte sprechen jedoch schwerere Argumente, von denen nicht nur der
erhebliche Anteil von Chipsätzen für AMD im gesamten Umsatz ins Gewicht fällt. Um diesen Bereich abzudecken, müsste Intel schon große Stückzahlen abnehmen, damit sich das Geschäft für NVIDIA überhaupt mittelfristig lohnt. Weiterhin stellt sich die Frage, welchen Nutzen Intel aus diesem Geschäft ziehen soll. Es ist hinreichend bekannt, dass Intel und AMD die einzigen Hersteller von Prozessoren mit nennenswerten Marktanteilen im Desktop-Bereich sind. Hinzu kommt, der seit geraumer Zeit ausgefochtene Preiskampf zwischen AMD und Intel sowie die Klagen von AMD gegen den Wettbewerber. Dass AMD außerdem derzeit extrem mit der
finanziellen Situation zu kämpfen hat, ist genauso kein Geheimnis.
Würde NVIDA sich nun von AMD abkehren, hätte dies vermutlich unweigerlich zur Folge, dass der Absatz von AMD-Produkten deutlich zurück geht. Intel würde riskieren, dass die einzige Konkurrenz in den Ruin gestürzt wird und man selbst als Monopolist dasteht, dessen Zukunft ungewiss ist. Eine Gefahr, die wohl keineswegs unterschätzt werden darf.
Anhand dieser Betrachtungen scheint es sehr unwahrscheinlich, dass an den Spekulationen ein Funken Wahrheit ist. Auch wenn man argumentieren mag, dass Intel gemeinsam mit NVIDIA ein gutes Gespann wäre, um gegen AMD/ATI zu bestehen, muss man noch immer bedenken, dass dies noch kein Grund für NVIDIA wäre, AMD als Hauptumsatztreiber im Chipsatzgeschäft so schnell die kalte Schulter zu zeigen. Sollte Intel an einer Zusammenarbeit mit NVIDIA interessiert sein, würde dies wohl höchstens auf Basis von Kooperationen erfolgen, die auf die aktuellen Geschäftsbeziehungen sicher keine Einfluss ausüben würden. Zum aktuellen Zeitpunkt sollte man derartige Aussagen folglich eher in der Schublade "Gerüchte" belassen.
[rl]